Der Satz des Pythagoras
Der Satz des Pythagoras ist wohl der bekannteste Lehrsatz der Schulgeometrie. Auf ihm gründen viele weitere Ergebnisse der euklidischen Geometrie. Es existieren über tausend verschiedene Beweise – dennoch verdeutlichen die üblichen Schulbeispiele selten, warum die Summe der Kathetenquadrate exakt der Fläche des Hypotenusenquadrats entspricht. Ein einleuchtender Beweis ist jedoch überraschend kurz:
Ein rechtwinkliges Dreieck lässt sich als Hälfte eines Rechtecks auffassen, das durch seine Diagonale halbiert wurde.
Das rechtwinklige Dreieck wird durch seine Höhe in zwei kleinere rechtwinklige Dreiecke zerlegt, die dem Ausgangsdreieck ähnlich sind. Klappt man das Ausgangsdreieck um die Hypotenuse c und die beiden Teildreiecke um ihre jeweilige anliegende Kathete (Abb. 1), so gilt offensichtlich: Die Flächensumme der beiden Katheten‑Dreiecke ist genau die Fläche des Hypotenusen‑Dreiecks – also des Ausgangsdreiecks.
Gilt das für ein Tripel ähnlicher Figuren, gilt es für alle ähnlich aufgesetzten Figuren (vgl. Beutelspacher – "ähnliche Kaninchen"). Daher erfüllt auch jedes aufgesetzte Quadrat diese Summenregel: Alle Quadrate sind einander ähnlich.
Wer lieber mit Zahlenverhältnissen argumentiert, berechnet die Ähnlichkeitsfaktoren der beiden Teildreiecke über das Verhältnis der Hypotenusen:
Die Faktoren lauten $k_{1}=\tfrac{a}{c}$ und $k_{2}=\tfrac{b}{c}$. Für ähnliche Figuren ist das Flächenverhältnis das Quadrat des Streckungsfaktors; somit gilt
$$k_{1}^{2} = \left(\tfrac{a}{c}\right)^{2},\qquad k_{2}^{2} = \left(\tfrac{b}{c}\right)^{2}$$
Addiert man die beiden Teilflächen erhält man die Gesamtfläche $A$ – und nach Kürzen genau $$a^{2}+b^{2}=c^{2}$$
Auf einer Kugeloberfläche existieren dagegen keine ähnlichen Figuren; rechtwinklige Kugeldreiecke können etwa eine Winkelsumme von $270^{\circ}$ besitzen. Dort gilt statt des Pythagoras ein Kosinussatz der sphärischen Geometrie. In allen nicht‑euklidischen Geometrien gibt es daher keinen Pythagoras!